Entwicklungstraumata beziehungsorientiert begleiten – Der Ansatz der Hundeintervention in Verbindung mit Somatic Experiencing

Mit Hilfe des Hundes Traumaspuren erforschen – wie geht das? Und was bringt das? Diese Leitfrage steht im Zentrum des Seminars. Die Hundeintervention (HI) ist ein eigenständiger, körper- und erlebnisorientierter Ansatz, der Wahrnehmung sowie Kontakt- und Beziehungsverhalten fördert. Er basiert auf dem gezielten Einsatz von speziell ausgebildeten Interventionshunden. Diese Hunde sind keine reinen "Kuschelhunde'' – auch wenn Nähe guttut – sondern reagieren situativ, setzen Grenzen und handeln nach ihrem natürlichen sozialen Repertoire. Genau darin liegt ihre Kraft, wenn wir mit ihnen bei Entwicklungstraumata arbeiten: Der Hund geht in echte Beziehung, gibt direkte, authentische Rückmeldungen und macht so Themen wie Nähe und Distanz, Vertrauen und Grenzen unmittelbar erlebbar.

Im Mittelpunkt steht der Beziehungsaspekt. Traumaspuren zeigen sich weniger in Worten als im Körper – im Körpergedächtnis, im Spüren und Wahrnehmen. In der Interaktion mit dem Hund können Menschen sicheren Kontakt und tragfähige Beziehungsmomente neu erfahren, oft dort, wo Worte allein nicht mehr weiterkommen. Ebenso wirkt die vorgelebte Beziehung zwischen Hund und Therapeut*in: Sie zeigt, wie sichere Verbindung aussehen kann. Gerade Menschen, die durch frühe Erfahrungen Schwierigkeiten mit Nähe und Beziehungsgestaltung haben, lassen sich oft leichter auf den Hund ein als auf andere Menschen. Die dabei gemachten Erfahrungen von Sicherheit lassen sich später auf zwischenmenschliche Beziehungen übertragen. Solche Momente sind für den therapeutischen Prozess besonders bedeutsam und erfordern eine fachlich fundierte Begleitung. Wir verbinden dabei Elemente des traumasensiblen Ansatzes Somatic Experiencing mit dem Ansatz der Hundeintervention, der seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit den Universitäten Basel und Luzern wissenschaftlich evaluiert wird und eine hohe Wirksamkeit zeigt. Er integriert zudem Erkenntnisse aus der Systemischen Therapie und der Psychotherapie. 

Besonderheit dieses Seminars 
Was Hundeintervention ist und wie sie wirkt, lässt sich beschreiben – aber um sie wirklich zu verstehen, muss man sie selbst erleben. Das Seminar wird deshalb von den Interventionshunden der Referentin begleitet. Der Schwerpunkt liegt auf Selbsterfahrung im Hier und Jetzt. In praktischen Übungen zeigen wir, wie die Interaktion mit dem Hund die Ebenen von Fühlen, Körperempfinden und Impulsen anspricht und für therapeutische Prozesse nutzbar macht. Theorie und wissenschaftliche Erkenntnisse werden dabei unmittelbar mit der Live-Erfahrung in der Arbeit mit den Hunden verknüpft. 

Ziele
Die Teilnehmenden

  • gewinnen eine klare Vorstellung des methodischen Vorgehens in der Hundeintervention bei Entwicklungstraumata
  • erfahren, wie Beziehung, Körpergedächtnis und sicherer Kontakt in der Arbeit mit dem Hund erlebbar und therapeutisch nutzbar werden
  • erlernen erste Schritte, um den beziehungs- und körperorientierten Ansatz selbstständig mit ihrem Hund anzuwenden

Methoden
Präsentationen, Diskussionen, Selbsterfahrung mit Hund, Arbeitsbuch

Zertifizierung
Von der LÄK werden voraussichtlich 20 Punkte angerechnet.

Hinweis
Eigene Hunde können leider nicht mitgebracht werden.

Termin
10.11.-11.11.2027
1. Tag: 10.00-18.00 Uhr
2. Tag: 09.00-17.00 Uhr

Referentin
Verena Gutwein

Seminarnummer
271-13

Kursgebühr
Frühbucherpreis: 445,00 €
ab 10.09.2027: 490,00 €

Zielgruppe
Ambulant oder stationär tätige ärztliche oder psychologische Therapeut*innen, Mitarbeitende multiprofessioneller Teams, die bereits mit ihrem Hund therapeutisch arbeiten oder dies planen, sowie weitere Interessierte an hundegestützten Interventionen

Maximale Teilnehmerzahl
24

Referentin
Verena Gutwein

Dozentin für Hundegestützte Therapie an der Universität Basel, Fachkraft für Tiergestützte Pädagogik und Therapie

Sie haben Fragen?
Inga Weise Bildungsreferentin